Die ersten Tierarztbesuche
inkl. Happy End
(Ja ja, Sie dürfen lachen. Kein Problem. Das machen andere auch.)



Der allererste Katastrophenbesuch bei unserer Tierärztin: 



Sie öffnete die Tür, begrüßte mich freundlich, sah Baby an und sagte: “Aha, ein Schäferhund auf kurzen Beinen.“
Ich: ? ? ? ? ?
„Die werden gekauft wegen ihren Gesichtern.“
Ich: ? ? ? ? ?
Es kam noch mehr. Ich wurde aufgeklärt.

Im Behandlungsraum dauerte es nicht lange bis Baby unter Zuhilfenahme eines Maulkorbs Einhalt geboten wurde.

Ich lehne solche brutalen Methoden grundsätzlich ab. Doch das half damals nichts. Baby zeigte sich von seiner schlechtesten Seite.
Heute weiß ich, dass er schreckliche Angst hatte. Doch es wäre unter seiner Würde gewesen dies zu zeigen. Er hätte und würde sich niemals anmerken lassen Angst zu haben. Hoch erhobenen Hauptes zitterte er damals innerlich und ahnte das schlimmste.
Als man dann nach ihm griff wurde er ungemütlich.
Ist ja auch logisch. Wer lässt sich schon angrabschen wenn er annehmen muß, dass das demnächst weh tut oder ihn sogar umbringt?
Dieser Hund hatte damals keinen Grund Menschen zu vertrauen!
Leider auch nicht mir. Das dauerte und war das eigentliche Problem. Ich hatte keine Chance ihn ruhig zu halten. Nicht in einer solchen Situation!

Als wir endlich alle die Untersuchung hinter uns hatten und uns verabschiedeten sagte die Tierärztin lachend zu mir: „Sie schaffen das!“

Nun gut, wir kannten uns schon ein paar Jahre. Doch bei Baby hatte ich das Gefühl meinen Meister gefunden zu haben, mich zu denen zählen zu müssen, die sich Komplettversager nennen dürfen. Es war mir ein Rätsel wie diese Frau behaupten konnte, dass ich mit diesem Burschen fertig werde, ihn dazu bringe mir zu vertrauen. Sie klang so überzeugt und strahlte dabei. War es wirklich ernst gemeint?
War alles etwas viel für mich. Frustriert ging ich mit diesem süßen Hundi nach Hause und setzte mich wieder mit seinen Launen, seinen Wutanfällen auseinander.

Heute ist alles gut. Baby vertraut mir und frisst auch keine Tierärzte mehr. Doch lesen Sie weiter, war ja manchmal auch witzig.



Babys erste Impfung



Brav pünktlich tauchten wir in der Tierarztpraxis auf und setzten uns mehr oder weniger geduldig ins Wartezimmer.
Für Baby die perfekte Gelegenheit unangenehm aufzufallen und Frauchen bis auf die Knochen zu blamieren.
So sehe ich das. Doch die Leute dort fanden es anscheinend gar nicht so schlimm, dass der Hund dauernd wimmerte, weil ich ihn daran hinderte an jedem hoch zu springen, ihn stürmisch zu begrüßen wie einen alten Kumpel.

Man erlaubte mir den Burschen laufen zu lassen. Sofort hatte dieser mir peinlich aufdringliche Hund menschliche Freunde, die sich gerne mit ihm beschäftigten.
Besonders hatte es Baby eine mir schräg gegenüber sitzende Frau angetan. Sie hatte die Ehre meinen Schmusebolzen wohl so etwa eine Stunde lang streicheln zu dürfen. Vielleicht länger.

Neben mir saß ein Mann, dessen Gesichtsausdruck ich versuchte zu deuten.
Ich fürchtete er fühle sich in seiner Ruhe gestört und würde mir bald an den Hals springen.
Doch es sollte sich zu meiner Beruhigung herausstellen, dass er recht ungefährlich und umgänglich ist.

Irgendwann ging endlich die Tür des Behandlungszimmers von innen auf.
Übergangslos war Schmusebacke Baby unter eine einsame Sitzbank verschwunden, in der hintersten Ecke, so nahe wie nur irgend möglich an die Wand gedrückt. Eben dort, wo kein Lichtschein ihn verraten konnte.
Stocksteif saß er da. Offensichtlich glaubte er so regungslos und ohne zu zwinkern nicht entdeckt zu werden.

Tierärztin breit grinsend: „Aaaha, der Westie!“
(Schon besser als beim letzten Besuch:“Aha, die Klapperschlange.“ -*grmpfl*)

Der Mann neben mir sprang unvermittelt hoch, so dass ich einen Schrecken bekam, bückte sich leicht, streckte einen langen Arm, die rechte Hand und deren Zeigefinger gezielt Richtung Baby aus:
„DER Hund ist genial! DEN muß ich haben!“ rief er und strahlte.

Überrascht und nun doch etwas stolz machte ich mich daran nach meinem Hund in der Ecke da unten zu stochern, ihn zu überreden da vor zu kommen.
Er saß weiterhin stocksteif im letzten Eck, wollte noch nicht glauben entdeckt worden zu sein.
Als ich ihn endlich da rausgekramt hatte war ich total fertig.
Alle grinsten, nur ich nicht.

Doch es sollte noch lustiger werden.

Mit allen zur Verfügung stehenden Künsten, von Kommandos über Überredungsversuche, an der Leine zerren usw brachte ich Baby dann doch irgendwie in das Behandlungszimmer und auf diesen gewissen Tisch.
Oh Mann, der Kerl hat sich mit allen Vieren gewehrt als unterstellte er mir die schlimmsten Pläne.

Während die Tierärztin die Spritze aufzog grinste sie immer noch, erzählte Gruselstorys über den Feger Westhighland White Terrier.
Endlich bereit, nach einer Hautfalte von Baby grabschend, wurde es plötzlich unübersichtlich hektisch. War aber auch gleich wieder vorbei.
Ich sah noch wie die Spritze mit dem Impfstoff auf die Wand hinter der Ärztin knallte und danach derb auf einen darunter stehenden Tisch aufschlug.
Es spritzte. Das war der Tag, an dem die Spritze zu ihrem Namen kam.
   
Was für eine Tortur!
Ich wollte doch nur diesen Hund impfen lassen.



Hilfe, schon wieder!



Als ich eine oder zwei Wochen später anrief, weil sich Baby mit einer Kröte angelegt hatte, wurde es kompliziert.
Die Tierarzthelferin am anderen Ende der Leitung fragte: „Ist das dieser äußerst liebenswürdige Westhighland White Terrier?“
Ich: „ Na ja, so kann man das auch sehen.“

STILLE

IMMER NOCH STILLE

Ich dachte ich sei nun allein in der Leitung.
Doch plötzlich in äußerst genervtem Ton und etwas laut: „Na, dann kommen sie halt!“

An diesem Tag verhielt sich Baby vorbildlich, wurde sogar schwer bewundert und gelobt.
Schätze mal ihm war klar, dass man nur helfen wollte.



TROTZDEM
machten wir dann lange Zeit Tierarzt-Rundgänge.
Baby wurde nicht untersucht, nicht geimpft oder sonst etwas.
Ich schleppte ihn nur bei jeder Gelegenheit mit, erklärte den Leuten dort was ich vor hatte und sie spielten alle mit. Echt super!
Mein Hund durfte durch Tierarztpraxen schlendern, sich von jedem streicheln und Leckerchen anbieten lassen.
Selbst auf diesem verräterischen Tisch tat ihm keiner etwas schlimmes, sondern er wurde gestreichelt, man redete freundlich mit ihm.

Obwohl Baby die angebotenen Hundekekse verabscheute dankte er doch die Bemühungen, verlor seine Ängste und kann heute ganz normal zum Tierarzt wie andere Hunde auch.

Na ja, normal. Was eben bei Baby normal ist.
Er legt es immer noch darauf an im Wartezimmer sämtliche Blicke auf sich zu ziehn.
Sobald eine Mitarbeiterin des Hauses im Türrahmen erscheint sucht er ein Loch, in das er verschwinden kann. Da er mit muß wenn Frauchen das möchte ergibt er sich scheinbar. Hoch erhobenen Hauptes und sicheren Schrittes trabt er neben mir her. Bis zur Ausgangstür. Dort biegt er dann ab, lächelt mich an, versucht mich zu überreden. (‚Wirklich nett hier. Doch nun hatten wir genug Spaß. Komm, laß uns gehn.’)
Endlich im Behandlungszimmer setzt er sich brav an die Wand neben der Tür. So als ginge ihn das alles gar nichts an.


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