Frustabbau




Um den über Monate angestauten Frust los zu werden war Baby nahezu jedes Mittel recht.



Ich stellte ihm einige Spielsachen, ein verknotetes Küchentuch, regelmäßig die Papp-Innenteile ehemaliger Küchenrollen uvm zur Verfügung. Das uralte Plüschtier meines früheren Hundes gab ich ihm nur mal ganz kurz und schon fehlte ein Auge. Dieses Andenken bewahre ich seitdem wieder sicher im Schrank auf.



Laufend kaufte ich irgendwelche Qietschtiere im Tiergeschäft. Sobald es Baby nur wenige Sekunden bearbeitet hatte, hatte es sich auch schon ausgequietscht. Weiß nicht wie er es geschafft hat. Vermutlich war der Zufall dafür verantwortlich, dass immer gleich ein Reißzahn das Quietscherle in das Gummitier drückte.



Damit er sich wirklich austoben und Frust los werden sollte hielt ich das Spielzeug auch mal fest. - Keine gute Idee.


Baby wartete keine Sekunde, stürzte sich darauf, schüttelte es und das war es dann. Es war immer gleich alles Totalschaden. Also Mülleimer auf und das nächste geholt.



Solche Geschichten machten wir täglich ca. anderthalb Stunden. Mit der Zeit fanden auch schönere Spiele statt. Doch anfangs war immer gleich alles kaputt. Baby brauchte das und wurde zusehens ruhiger. Nach einigen Monaten interessierte er sich für solche Geschichten gar nicht mehr und sah mich nur fragend an wenn ich ihm ein Spielzeug opfern wollte. 



Er wurde zum Kuschelbär, hatte keine Aggressionen mehr, sondern spielte ganz zivilisiert bzw die meiste Zeit wusch er ausgewählte und heiß geliebte Schmusetiere wie zB seine Mickey Mouse, die er immer noch zum Schlafen brauchte. 



Als dann wieder eines nachts ein Notfall bei mir abgegeben wurde beendete Baby seine späte Kindheit. Hierzu knöpfte er sich seine heiß geliebten Schmusetiere vor. So war auch irgendwann Mickey dran. Jedem dieser einst gehüteten Schmusetiere biss er den Kopf ab und ließ es dann unbeachtet liegen. Es war Eifersucht, mich teilen müssen, sich ungeliebt fühlen. Tut mir heute noch in der Seele weh. Mickey, Plüschl und die anderen hab ich immer noch hier. Nein, ich habe Baby nicht wg dem anderen Hund vernachlässigt. Doch auch der andere arme Spatz musste versorgt werden. Wäre beinahe ausgesetzt worden und hätte diese kalte Nacht vermutlich nicht überlebt. Da der süße Podenco-Mix noch lange nicht ausgewachsen war wurde Baby ranghöher behandelt. Doch das sah er wohl nicht. Er war und ist kein Rudeltier, nicht bereit mich zu teilen.




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