Babys demolierter Rücken




Man bedenke: Der Westhighland White Terrier ist ein sehr robuster Hund mit einer Lebenserwartung von 15 Jahren.



Baby war gerade 5 geworden, da stand er eines Tages nicht zur gewohnten Zeit auf. Also wunderte ich mich um 11 Uhr vormittags und sah nach ihm.


Ok, er lag scheinbar gemütlich in seiner Höhle.


Bis um 16 Uhr sah ich laufend nach ihm, sagte er solle nun mal aufstehn und Pipi machen gehn. Er kam nicht und ich war frustriert, dass er mal wieder einen super sturen Tag hat.



Also bestand ich darauf, dass er sich endlich mal bewegt und mit mir raus geht.


Es dauerte und dauerte.


Dann, als er sich mal bewegte, wurde mir klar, dass mit dem Hund etwas nicht stimmt. Irgendwann stand er dann vor mir. Es war nicht so wie sonst. Ich wusste mir keinen Rat, sagte er solle kommen und beobachtete ihn genau.


Er war sehr langsam und schien etwas unbeweglich. Genau konnte ich es noch nicht deuten und versuchte den Rest des Tages heraus zu finden was mit dem Hund nicht in Ordnung war.



Es war Freitag nach Weihnachten, ein Feiertag. Ich sagte abends noch, dass ich am nächsten Tag nach der Arbeit zur Tierärztin muß wenn sich Baby dann noch so merkwürdig verhält.



Am nächsten Tag war nicht, weil ich dann selbst im Krankenhaus landete.


Meine Mutter schleppte  den kleinen Pechvogel Tage später zu unserer Tierärztin, die leider nicht selbst zugegen war. Die Vertretung erkannte das Problem nicht, schnauzte noch meine Mutter an und gab Baby ein Medikament, das bei ihm fürchterlichen Durchfall auslöste.


Ich bat meine Mutter schnellstmöglichst die andere, auch wirklich gute Tierärztin hier in der Gegend aufzusuchen.


Sie stellte dann sofort fest, dass Baby einen kaputten Rücken hat und seit Tagen unter unerträglichen Schmerzen litt.


Er bekam einige Spritzen und musste mehrmals täglich mit Tabletten gefüttert werden. Eine Sorte enthält Cortison.



Eine Weile ging es gut.


Baby konnte laufen, Frauchen 3 ½ Monate an Krücken herumführen, Bänke zum Ausruhen für mich frei halten, mich beschützen und nun endlich die Rudelführung übernehmen.


Letzteres sollte uns nach dieser Sache noch Monate Probleme bereiten. Doch inzwischen ist auch das mal wieder überstanden.


Der Baby hatte schon immer regelmäßig an meinem Stuhl gesägt. Mit meiner Hilflosigkeit an den Krücken  hatte ich keine Chance. Während sein Verhalten da draußen groß gelobt wurde wusste ich, dass es schwierig werden wird wenn ich wieder das Kommando übernehmen möchte.


Baby wich nicht von meiner Seite, sah sich nicht nach Opfern um und wartete an jeder Bank geduldig bis ich mich ausgeruht hatte und sagte wir könnten nun weiter gehen. So gesehen verhielt er sich vorbildlich und wurde zu Recht bewundert.


Doch ich kenne meinen Feger.....


Auch Krankenpfleger, Beschützer und Retter arbeiten nicht kostenlos!



Das mit Babys Rücken kam wieder als wir uns gerade im Machtkampf befanden. Eines schönen Tages konnte Baby nicht aufstehen. Ich trug ihn vorsichtig in den Garten, damit er sich wenigstens erleichtern sollte. Doch das funktionierte nicht.


Durch die Schmerzen hatte sich seine Rückenmuskulatur total verkrampft. Er konnte noch nicht einmal Pipi machen.


Also zur Tierärztin, die ihm Monate vorher schon geholfen hatte. Per Katheder wurde Babys Blase geleert. Er bekam Spritzen zur Muskelentspannung und gegen die entsetzlichen Schmerzen.


Diese Geschichte wiederholte sich dann in immer kürzer werdenden Zeitabständen. Wir durften plötzlich nicht mehr weit laufen, bei Kälte nicht lange raus, es gab 2 ½ Jahre lang morgens und abends Tabletten.


Trotzdem konnte er immer öfter nicht aufstehen oder klappte auf dem Weg zum Wassernapf regelrecht zusammen.


Baby wurde immer fetter. Mit der Zeit schaffte er es von 9,2 kg auf 10,8 kg!


Er war eine Wurst, was dem geplagten Rücken zusätzlich schadete.



Irgendwann versuchten wir es mit Tabletten ohne Cortison.


Das half ebenso kurz. Er wollte diese Tabletten nicht schlucken. Nur Stress und die Angst den Hund bald einschläfern zu müssen. Ich hatte solche Panik und beschloss nun doch andere Wege zu gehen. Baby bekommt seitdem eine Nahrungsergänzung, die das schwer geschädigte Knorpelgewebe wieder aufbauen soll.


Es geht ihm viel besser. Er hat wieder Spaß!



Warum bin ich nicht eher drauf gekommen?



Zur Sicherheit habe ich immer einen Vorrat an Cortisontabletten hier. Zusätzlich muß ich meinen Hund im Mantel spazieren führen wenn es sehr kalt ist oder regnet.


Das ist etwas peinlich. Doch wenn es Baby hilft.....



Der Hund rennt heute noch, mit nun 9 Jahren, stundenlang über Stock und Stein. Doch leider wissen wir beide nie ob er am nächsten Morgen aufstehn kann. Es ist nie vorher abzusehn. Deshalb gehen wir meist nicht länger als 1 ½ Stunden. Oftmals auch weniger. Die Angst ist einfach da.


Doch die ganz schlimmen Tage sind mit der Nahrungsergänzung wirklich selten geworden. Auch wenn wir zwischendurch mal 3 oder 4 Stunden laufen waren ist seit Monaten nichts weiter passiert.



Ich bin

begeistert!

Täglich taste ich seinen Rücken ab, um festzustellen ob er verkrampft ist. So kann ich in etwa abschätzen ob Baby Schmerzen hat und entscheiden ob wir kurz, lang oder überhaupt Gassi gehen. Im Notfall geht es nur in den Garten. Bei entsprechendem Wetter oftmals den halben Tag. Doch dort kann Baby selbst entscheiden ob er läuft, sitzt, steht oder liegt. Er weiß schließlich am besten wie er sich fühlt.


Ist mein ‚Hundebärchen’ besonders folgsam muß ich vermuten, dass sich sein Rücken nicht sehr gut anfühlt.


Verkneift er sich das Baden im Bach oder einem See weiß ich auch, dass er nicht fit ist.


Als er noch ganz jung war konnte ihn nichts und niemand davon abhalten zu baden. Einmal hatte es gerade angefangen zu schneien. Baby schwamm genüsslich eine Runde durch den See, schüttelte sich danach kurz, wälzte sich im frisch gefallenen Schnee und freute sich seines Lebens.


Obwohl er ein sehr schlechtes Fell hat durch das man die Haut sehen kann schien diese nicht naß geworden zu sein. Hab das nämlich gleich kontrolliert.


Auch wegen diesem Fellproblem bekommt Baby jeden Herbst eine Kur mit einer Nahrungsergänzung. Bin mir noch nicht ganz sicher ob es die beiden vergangenen Jahre Zufall war. Er bekam plötzlich ein super tolles, dichtes Fell mit „echter“ Unterwolle. Wow!



Seit seinem 5. Lebensjahr schwimmt Baby höchstens noch 1x  jährlich, natürlich im Hochsommer. Zwar lässt er keine Pfütze, keinen Bach, kein sonstiges Wasserloch aus. Doch er geht meist nur ganz langsam und vorsichtig in die Knie und balanciert die Geschichte so aus, dass er möglichst viel Wasser abbekommt, jedoch sein Rücken nicht nass wird.


Wenn er dann wirklich mal eine Runde schwimmt weiß ich, dass es ihm gut geht.


Muss ihn also immer gut beobachten. Sobald sich seine Rückenmuskulatur verspannt bekommt er eine Tablette zur Entspannung und Schmerzlinderung. Sonst schaukelt sich die Sache wieder hoch.



Schmerz -→ Verspannung
Verspannung -→ mehr Schmerz
-→ irgendwann so viel Schmerz, dass nichts mehr geht

Es dauert ja manchmal wirklich lange. Doch dann geht einem unverhofft ein Licht auf:



Weiß nicht mehr sicher wie jung Baby war, vermutlich 2, vielleicht auch 3. Älter wohl eher nicht. Er hatte doch nur ein paar Monate so begeistert mit jedem Hund gespielt. Plötzlich wurde er zur Giftnatter und schnauzte beinahe jeden an.


Ich vermutete, dass es mit einem Erlebnis zu tun hat. Dabei gab es keinen Kampf, Baby war schneller, ging als Sieger hervor, weil der andere bereitwillig flüchtete. So ganz nachvollziehbar war die Sache für mich nicht.


Doch seit der Geschichte mit dem schlimmen Rücken........


Baby wehrt nämlich andere Hunde dann energisch ab wenn sie sich von hinten nähern. Allerdings nicht immer. Denke es kommt darauf an wie es ihm geht. Ist wohl anzunehmen, dass dieser arme Hund bereits im zarten Alter von 2 oder 3 Jahren Rückenprobleme hatte.



Es ist so traurig.




Ich wünsche mir, dass er die 15 Jahre schafft und dabei möglichst viel Spaß hat!








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