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WIR WISSEN BEIDE, DASS BABY MICH NICHT BRAUCHT. ER DARF NUR NICHT WISSEN, DASS ICH ES WEIß.
Wie Sie sich inzwischen wohl denken können genießt Baby in Familie und Freundeskreis einen zweifelhaften Ruf.
Von manchen geliebt, von anderen schief beäugt. Letztendlich ist es so, daß er von denen geliebt wird, die ihn etwas besser kennen, vielleicht auch erkannt haben.
Er ist nicht nur eine Nervensäge, sondern ein durchaus liebenswertes, sehr geduldiges Kerlchen.
Ganz von der Situation abhängig kann er sich gar vorbildlich oder eben auch mal total daneben benehmen.
Vor einiger Zeit wurde ich gefragt ob dieser Hund etwa eine Portion 'Gescheitheit' extra bekommen habe.
Dies wird wohl das eigentliche Problem sein. Baby ist super intelligent und schon von dem her nicht fähig blind das zu tun was ein anderer verlangt.
Hier mal ein paar
Geschichten zur Aufklärung unseres Erziehungs-Dramas
inklusive Vorwort:
Man stellt sich vor, daß ein Hund wie auf Knopfdruck funktioniert. Vor der Zeit mit Westie-Baby hatte ich auch keine bessere Idee.Der Hund sollte Bällchen bringen und blind gehorchen. Dann liefert man bei mir eine kleine weiße Zeitbombe ab und ich bin ratlos.
Heute bin ich WHW-Terrier-Fan, was ich mir nie hätte vorstellen können!
1. Ich bevorzuge Schlappohren und Rosenöhrchen. Diese sollten an einem Hund befestigt sein, der mit einer Widerristhöhe von mindestens 76 cm glänzen kann. Möglichst mehr.
2. Man muß sich doch nicht unnötig anstrengen. Ein braver Hund, der nur darauf wartet, daß ein Kommando an sein Ohr dringt, ist doch ein Traum.
Jedenfalls dachte ich das mal. Heute neige ich eher dazu mich mit noch mehr WHW-Terriern zu umgeben. Ob sie alle so kompliziert sind? Hat doch jeder seinen eigenen Charakter. Zudem hat nicht jeder eine so schreckliche Kindheit wie Baby hinter sich.
Nun, vor ein paar Jahren hatte ich hier 2 Weiße Hochländer. Leider nur kurz.
Hätte den anderen Burschen so gerne behalten. Er zeigte sehr ähnliche 'Symptome' wie Baby vor ein paar Jahren. Allerdings scheint Maiki etwas einsichtiger zu sein. Doch letztendlich ist es wohl so, daß auch er es wieder versucht.
Diese Hunde, wenn ich es nun mal verallgemeinern darf, fügen sich zunächst geduldig in jede Situation. So nach dem Motto: Abwarten und Tee trinken. Wenn die Sache dann zu überblicken ist holt man sich was man braucht.
Am ersten Abend lernte Maiki nicht auf der Straße herum zu hüpfen, sondern auf dem Gehweg auf mein Kommando zu warten. Genau wie Baby vor 8 Jahren.
Einmal gezeigt und es ist gut. (Sofern WHW-Terrier es einsieht.)
Auch war er ebenso aufgeregt wenn man die Haustür von innen geöffnet hat. Sofort gab er 'diese Laute' von sich, suchte wohl Stress, eine Situation die nur ein WHW-Terrier regeln kann. Den einen nach links über die Schulter, den anderen Streithammel über die rechte Schulter geworfen und Sieg!
Beim abendlichen Spaziergang über die Wiese entdeckte Maiki eine interessante Spur. Er zog wie blöd an der Leine, rannte aufgeregt von einer Seite zur anderen, dann nach vorn, zurück usw. Mein Arm wurde immer länger. Er war nicht ansprechbar.
Ich lächelte bald erschöpft vor mich hin.
(In der anderen Hand hielt ich die beiden Leinen von Baby und dem Terrier meines Bruders. Zum Glück verhielten sich diese besser.)
Wie man hört reicht es einem Hund 3 Kommandos, die sogenannten Grundkommandos beizubringen. Manche Hunde, so sagte man mir, können noch 2 oder auch ein paar mehr Kommandos lernen.
Ich selbst hatte eine Hündin in Pflege, die nicht ein einziges Kommando, sondern nur ihren Namen kannte. Das war genug. Sie war immer bei mir, auch ohne Leine, reagierte sofort auf ihren Namen. Was hätte man da herumerziehen sollen? Es gab ja gar keine Situation, bei der man das gewünschte Kommando überhaupt hätte üben können.
Bei Baby ist alles anders. Für ihn gibt es inzwischen 26 (!) Kommandos. - Nein, das ist bei seiner Intelligenz wirklich keine Überforderung. - Geplant war es allerdings nicht.
Wie sich das ergeben hat? - Ganz einfach. Der Feger stellt seine Ohren oftmals auf Durchzug, wie man ja inzwischen weiß wenn man aufmerksam gelesen hat. Je nach Tagesform, Lust und Laune hört er oder auch nicht.
Als ich bei diesem total verkorksten Hund mit der Erziehung begann war er eh stocktaub. Fand es angebrachter meine Bemühungen zu ignorieren. Hätte mich auch auf den Kopf stellen können.
Anfangs vermutete ich neben echter Taubheit auch Dummheit. Allerdings gab es ja Dinge, die er sofort annahm. Das war dann schon etwas merkwürdig. Vor allem, da für diese Dinge kein großartiges Training notwendig war. Ich sagte etwas, zeigte ihm was ich meine und gut.
Zum Beispiel, daß man nicht kreuz und quer über die Straße läuft und sich als schlauer Hund in den Grünstreifen begibt wenn sich ein Fahrzeug nähert.
Nachdem ich noch lange an mir selbst gezweifelt hatte kam ich auf die Idee ein paar ungewöhnliche Tests zu machen.
(Die Selbstzweifel wurden ausgeräumt als ich mich an frühere Hunde erinnerte und auch eine dieser Geschichten tippte. Eine fünfjährige Schäferhündin, die im ersten Lebensjahr von jemandem kaputt gemacht und später von anderen bald aufgegeben wurde was das Erlernen von gutem Verhalten angeht .....)
Irgendwie mußte ich mit diesem Westhighland White Terrier klar kommen. Hatte doch mit anderen Hunden keine Probleme gehabt. Ganz im Gegenteil!
So ergab es sich einmal, als Baby mal wieder stocktaub an der Leine riss und wie blöd herumturnte, daß ich direkt zum ewig ignorierten Kommando ein Fantasiewort gesellte. Dies schien ihm zu gefallen und er benahm sich zivilisierter.
Ich wunderte mich und benutzte dieses Wort immer wieder bei der entsprechenden Situation. Es funktionierte!
Doch leider gefiel ihm dieses Wort auch nicht auf Dauer. Als er mal wieder damit beschäftigt war meinen letzten Nerv zu ruinieren, weil er meinte zum unpassendsten Zeitpunkt an einer dafür nicht geeigneten Stelle herumzappeln zu müssen ergab sich folgendes: Ich verbot ihm die Spinnerei. Natürlich hatte er keine Ohren. Also hielt ich ihn fest, um ihn loben zu können als er gerade mal 2 Sekunden ohne meine Hilfe still stand. Doch es ging sofort wieder los.
Zwei Minuten später die Lösung: 'Baby, du bekommst Ärger.' Sein Gesichtsausdruck erklärte: 'Naa guuut. - Spielverderber!'
So befinden sich bei den 26 Kommandos auch mehrere zu der gleichen Sache. Doch die meisten gehören durchaus zu ganz verschiedenen Dingen.
Ein Pfiff und zwei Handzeichen sind auch dabei. Letzteres ist eine besondere Herausforderung bei einem Hund, der einen grundsätzlich nicht ansieht wenn man etwas von ihm möchte. Doch Hartnäckigkeit bewirkte hier mit der Zeit, daß Baby nun doch eher mal Blickkontakt zu mir aufnimmt. Das ist super! Hab das Zeichen in Situtationen benutzt, die Baby doch interessieren, nämlich im Straßenverkehr. Hier ist er recht einsichtig und ich habe doch eine geringe Chance seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken.
Es hat sich bei uns auch bald das Spezialkommando für den klugen, alles selbst regeln wollenden Hund ergeben: 'Aufpassen!' - Dies gilt immer und überall, wo Baby ausweichen muß. Ob ich mich nun beim Großputz befinde und er laufend wieder im Weg herumsteht. Oder ob auf unserem Spazierweg plötzlich ein Fahrzeug erscheint. Der Hund muß eben schauen wohin er sich begeben muß, um nicht im Weg zu sein. Das klappt prima!
---> Auch als er endlich recht zuverlässig zu mir gelaufen kam wenn ich rief, war auf oben genanntes Kommando nicht zu verzichten. Er hält es offensichtlich für unnötig, daß ich auf ihn aufpasse, die Dinge für ihn regle. Also tritt er sofort in Streik wenn ich ihn rufe, weil ein Auto kommt. Besser: 'Baby, aufpassen!' Da muß er dann selbst entscheiden und zeigt sich daher einsichtig. Selbst wenn ich zunächst den Eindruck habe er würde meinen 'Hinweis' ignorieren. Wenn er seelenruhig weiterschnuppert bedeutet das nicht, daß er etwas nicht mitbekommen hat. Er ist offensichtlich der Meinung die Sache selbst im Griff zu haben. Na gut, hat er wohl auch. Wenn ich schon nicht gleich gesehen habe, daß ein Auto sich nähert, sah ich dann doch plötzlich meinen Hund brav im Grünstreifen sitzen. -GENIAL!- Nach dem Auto wartet er so lange, wie ich es ihm vor 8 Jahren vorgemacht habe. - Schätze er braucht meine Hilfe wirklich nicht.
Als ich einige Zeit im Krankenhaus verbringen mußte regelte Baby die Dinge so, wie er es bei mir gelernt hatte - und für sinnvoll hält.
Er mußte ja mit einem meiner Brüder und dessen Rüden spazieren gehn. - Würde er sonst nie tun! Doch Baby erkannte die Situation und ging notgedrungen mit meinem Bruder mit. Dieser erzählte mir mein Hund sei dumm. Wie ich begeistert war! Nun wollte ich auch den Grund wissen.
Tja, es war einfach so, daß mein Bruder die Hunde rief wenn ein Auto kam. Sein Terrier mußte sich in diesem Fall hinter ihn begeben. Baby sollte das auch, sah es jedoch nicht ein. Er setzte sich in den Grünstreifen und wartete dort hartnäckig bis das Auto vorbei war. Da half alles Locken und Rufen nicht. - Ich war stolz!
Ein Kommando glaubte ich ihm nie wirklich vermitteln zu können. Nach Jahren ergab sich dann allerdings, daß sich Baby mal wieder in eine unmögliche Situation brachte. Nicht auf mich gehört und schon saß er da, wo er alleine nicht mehr raus kam. Ich hatte nur die Idee dieses eine Kommando in Kombination mit seiner Leine und einem weiteren Kommando zu benutzen. Es funktionierte! Baby sprang wenn ich es sagte und hielt sich so gut er konnte an der matschigen, beinahe senkrecht verlaufenden Wand fest. Klar rutschte er sofort. Doch ich versuchte die Leine um seinen Hintern zu bekommen. Leider war sie nur ca 2 Meter lang, was nicht reichte. Er landete wieder unten, ehe ich etwas tun konnte. Also nochmal. Ich gab das Kommando, er sprang, eilig warf ich die Leine um seinen kräftigen Nacken, wieder das Kommando zu springen. Diesmal kam Baby hoch genug und ich konnte auf dem Boden liegend die Leine um seinen Hintern werfen. Nochmal das Kommando! Er war nun weit genug, daß ich ihn irgendwie fassen und so beim Klettern unterstützen konnte. Der arme Kerl rutschte doch die ganze Zeit. In der Wand befanden sich lange tiefe Spuren seiner Krallen.
Wie man sieht beherrscht er auch ein vernachlässigtes Kommando wenn es ihm tatsächlich einen Vorteil bringt.
Es ist äußert merkwürdig, was ich mit diesem Hund erlebe.
Kann mich nur wiederholen:
Westie-Baby ist immer für eine Überraschung gut. Es wird nie langweilig mit ihm.
Hab sogar Kette werfen und Wassersprüher ausprobiert, was vorher noch bei keinem Hund notwendig gewesen war. - Nichts! Hat ihn nicht beeindruckt! Andere Hunde zucken im ungünstigsten Fall wenigstens zusammen. Baby nicht, keine Chance. Er hat diese Aktionen ebenso ignoriert wie alles andere vorher.
Inzwischen weiß ich, daß er recht gut einschätzen kann ob ich ihn eventuell erwische oder eben mein Arm nicht lang genug ist.
So kann nur erfolgreich an einer Sache gearbeitet werden wenn sich Baby für mich in Reichweite befindet.
Großes Training braucht es dann nicht. Er versteht es sofort und macht es auch wenn er meint es würde sonst kompliziert für ihn werden. Oder eben wenn er es für eine gute Sache hält.
Die Mutation eines Wassersprühers:
Er bekam auch mal einen Eimer mit 10 Liter kaltem Wasser über sich ausgeleert, weil er sich übelst daneben benahm. (Nicht von mir!)
Sie werden es sich inzwischen denken können. -> Baby schüttelte sich und tat dann das was er vorher auch getan hatte und nicht tun sollte.
Was bitteschön hätte ich noch tun sollen?
Einen ungezogenen Hund ein Leben lang an der Leine herumzerren?
Nein! So sollte er nicht sein kurzes Dasein fristen. Ich wollte, daß es bei uns beiden funktioniert und ich ihm möglichst viel Freiraum lassen kann.
Ein Hund muß sich doch bewegen, Spaß haben!
Selbst wenn manche das Gegenteil behaupten. Für mich ist ein Hund dann glücklich, wenn er lachen kann. Hab noch nie einen Hund lachen sehn, der nur brav neben Herrchen her latschen darf. Finde ich nicht gut.
Noch ein Beispiel dafür, daß Baby schnell begreift, wenn er denn will:
Da hinter dem Haus Erde aufgefüllt werden mußte standen wir beide eines schönen Tages vor knöchelhohem Matsch, als wir zur Wiese wollten.
Ich zog es vor Baby auf den Arm zu nehmen. So mußte ich nur hinterher meine Schuhe putzen und nicht noch den Hund baden.
Obwohl er sich sonst nicht einfach so auf den Arm nehmen läßt fand er es wohl lustig (oder auch praktisch). Auf dem Rückweg und auch an den darauf folgenden Tagen blieb er vor diesem Dreck stehen und sah zu mir hoch:
'He, trag mich gefälligst! Sonst steckst Du mich wieder in die Wanne.'
Wenn wir schon dabei sind:
Baby kann ja sonst keiner Pfütze, keinem Matschloch oder ähnlichem widerstehen. Doch ich wollte einen weißen und keinen dunkelbraunen Hochländer.
So ließ er sich gnädig beibiegen Pfützen und Matschlöcher zu umgehen. Jedes mal wieder ein übertriebener Bogen und der Gesichtsausdruck mit der Frage ob ich zufrieden bin. Dies von montags bis samstags. Denn sonntags wurde er für sein vorbildliches Verhalten belohnt.
Dazu liefen wir den Berg hoch, durch den Wald und machten bei der Höhle oben Rast. Ein guter Teil der Strecke bietet sich dem Westhighland White Terrier optimal zum Suhlen und Schmuddeln an. Baby war ja sowas von brav. Sobald wir den Anfang des tiefen, breiten Grabens erreichten schielte er vorsichtig hinein, sah mich an und wartete geduldig darauf: 'Ja, Baby, du darfst!' Sofort sprang der weiße Hund hinein, um ein paar Meter weiter dunkelbraun-schwarz-triefend und zufrieden lächelnd wieder heraus zu klettern.
Ach, genau: Seit ein paar Jahren gehen wir mehrmals die Woche mit einem Bekannten und seiner Hündin spazieren. Meist natürlich am Bach entlang. Es hat mich richtig geärgert, daß Baby es immer schaffte sich nach einem Bad neben mir zu schütteln. Einmal war ich dadurch etwas verstimmt und erklärte in energischem Ton er soll sich gefälligst nie mehr neben mir schütteln! - Man sollte es ja nicht glauben. Doch es ist nun schon seit Jahren so, daß er prinzipiell an mir vorbei geht und sich neben meinen Bekannten stellt, um sich dort zu schütteln. Wir haben beide schon oft darüber gelacht.
Ja, wir haben es geschafft. Baby wird, wie bereits erwähnt, nie blind gehorchen, sondern immer mitdenken und letztendlich selbst entscheiden.
Doch wir beide haben uns so weit zusammengerauft, daß Baby nahezu immer und überall ohne Leine springen darf. (Wie er es genießt! Ein bisschen Freiheit!)
Es waren harte Zeiten für uns beide. Ein paar Mal hätte ich beinahe aufgegeben.
Doch wo wäre er gelandet? Ein trauriges Vegetieren im Tierheim?
Hab mir dort sogar bestätigen lassen, daß so ein Hund nach spätestens 3 Tagen zurückgebracht wird. Die Dame, die mir das überzeugt erklärte, wußte noch nicht einmal die Hälfte des Elends. Der Besuch dort hat übrigens nichts mit Baby zu tun. Hab NICHT versucht ihn dort los zu werden! ! !
Auf einer Züchterwebsite fand ich folgendes:
Der WHW Terrier sollte von der Mutter weg sofort mit Erziehungsmaßnahmen konfrontiert werden. Läßt man nur ein einziges Mal etwas durchgehen wird er einen NIEMALS respektieren.
Nun viel Spaß mit einem total verkorksten Einjährigen!
Für Baby ist Respekt absolut ein Fremdwort. Er ist derjenige, der die Dinge regelt und sagt wo es lang geht.
Haben übrigens vor ein paar Jahren eine Frau mit einem
Pärchen WHW-Terriern
kennengelernt. Beide Hunde besuchten über viele Jahre regelmäßig eine Hundeschule, haben die schönsten Prüfungen erfolgreich abgelegt. Doch der Rüde hat Frauchen nie wirklich respektiert. Schon im zarten Alter von 12 Wochen ließ er sie nicht auf die Couch. Sie erklärte, daß sie es aufgegeben hat und sagte dazu: 'Er läßt mich in Ruhe und ich ihn.' Das blieb so bis er 11 oder 12 Jahre alt war und leider so früh schon verstarb.
Seinen ausgeprägten Jagdtrieb hatte man übrigens auch nie in Griff bekommen. Er durfte wohl mal kurz von der Leine. Doch konnte sie ihn keine Sekunde aus den Augen lassen und leinte ihn zeitig wieder an.
Couch: Natürlich sollte man einen solchen Feger erst gar nicht auf die Couch lassen. Doch wenn der Rüde meinem Hund ähnlich war hat er es sich nicht ausreden lassen und sprang spätestens dann hoch wenn Frauchen mal kein Auge auf ihn hatte.
Tja, der Baby und ich haben es geschafft. Mit den Mängeln, die hier noch am Verhalten des Hundes bestehen, kann ich leben. (Wir sind auch nicht perfekt, oder?)
Die wirklich harte Arbeit über all die Jahre hat sich mehr als gelohnt. Wir beide sind ein klasse Team. Habe inzwischen auch begriffen, daß Baby zwar oftmals andere Interessen verfolgt als ich es mir wünschen würde. Doch im Notfall kann ich mich auf diesen Hund zu 100% verlassen. Auch wenn er Fremdschmuser ist und ich früher manchmal etwas eifersüchtig war. Im Zweifelsfall ist er sofort an meiner Seite. Er kann auch super folgsam sein. Also versteht er die Kommandos auf jeden Fall. Der Witz ist, daß er genau weiß was ich von ihm verlange und ich so meist gar nichts sagen muß. Ich tue es trotzdem. War hart genug so weit zu kommen. Da gibt es jetzt keine Bequemlichkeit, um das Erreichte aufs Spiel zu setzen.
Einmal stand
ein Reh vor Babys Nase
. Obwohl er total ausrastete und hypernervös herumturnte blieb er auf dem Weg!
Das hatten wir an einem schönen Nachmittag im Sommer trainiert. Er muß im Wald auf dem Weg bleiben oder an die Leine. Um ihm dies klar zu machen mußte ich ihn mehrmals verfolgen und später leider mit Steinen nach ihm werfen. - Nein! Keine großen Steine, die weh tun! Niemals! Er sollte nur glauben mein Arm sei lang genug, daß ich ihn erwische bevor er sich in die Büsche schlagen kann.
Es hat funktioniert! (Ich muß nur immer wachsam sein. Er nutzt es sonst sofort aus und ist weg.)
Ach, das noch: Baby mußte nah bei mir gehen. Sonst hätte er das mit dem langen Arm nicht mehr geglaubt.
Wurde er schneller schliff ich mit den Schuhen so nah wie möglich an seinem Hinterteil über den geschotterten Weg, was einen furchtbaren Lärm erzeugte.
Das hat ihn beeindruckt! Zog direkt das Genick ein und blieb stehen, um dann schön brav neben mir weiter zu gehn.
Um ihn
am Jagen zu hindern
habe ich jedoch noch etwas besseres.
Für spezielle Abenteuer- oder auch mal Entspannungsausflüge richte ich mich nach Jahres- und Tageszeiten.
---> Baby ist nicht so doof und verfolgt mehrere Stunden alte Spuren ;-)
So können wir beide uns stundenlang da draußen aufhalten, ohne daß Baby an die Leine muß. Oftmals vergesse ich sogar nach ihm zu sehen. Jeder ist beschäftigt. Ich fotografiere Blumen und dergleichen oder sammle Kräuter. Baby schnuppert und stöbert. Wenn mir mal einfällt nach Feger zu sehn ist es oftmals so, daß er neben mir sitzt und ich es lange nicht bemerke. Dann kann natürlich sein, daß Frauchen in Panik gerät, verzweifelt ruft und den geliebten Hund mit den Augen sucht. Entdecke ich ihn endlich neben mir sagt sein Blick wieder alles:
'Bist blöd? Was schreist denn so? Bin doch da.' *gääähn*
Je nach Wetterlage ist natürlich nichts mit Kräutern und Fotos. So gehen wir manchmal gemeinsam auf Entdeckungsreise am Bach entlang. Das macht Spaß!
Bei großer Hitze, wenn Frauchen furchtbar leidet, gehen wir auch manchmal ein paar Kilometer nur im Bach, möglich dort wo dieser durch ein Waldstück führt. Bei Niedrigwasser wird auch mal am Wasserfall hoch geklettert. Ansonsten müssen wir da eben einen Umweg machen. Muß nur auf Baby achten, daß er nicht in die falsche Richtung im Wald verschwindet.
Oftmals gibt es dann auch ein kleines Picknick. Vorher achte ich darauf etwas zu besorgen, das Baby auch knabbern kann.
Es gibt jedoch auch Orte, an denen Baby niemals ohne Leine sein darf. Zum Beispiel im von uns so genannten 'Wildschweinwald'.
Dieser Bursche meint ja jeden besiegen zu können. Doch gegen ein Wildschwein wird er wohl schlechte Karten haben. Leider flippt er an diesem Waldstück total aus und zerrt wie geisteskrank an der Leine. Ansprechbar ist er in einem solchen Moment nicht mehr. Man kann nur zusehn, daß man ihn dort raus bekommt. Dann beruhigt er sich von selbst.
Hab da schon Todesängste ausgestanden und meide die Gegend meist. Vor Wildschweinen habe ich wirklich Angst. Und vor allem davor, daß mein Hund vor nichts und niemandem Angst hat, das Viehzeug womöglich noch anlockt und in Wut versetzt. Hilfe!
Ein Rudel Wölfe wäre mir da draußen viel lieber als die Säue.
In einem Hundebuch fand ich was ich mit der Zeit vermutete, jedoch nicht wirklich glauben konnte:
Dieser Hund kann mit Lob und Tadel absolut nichts anfangen.
Das lieblichste 'Feiiiiiiiiiin.', welches ich seit Jahren als Lob gebrauche, ruft bei ihm absolut nicht die geringste Freude hervor, besser gesagt er reagiert überhaupt nicht darauf.
Eines schönen Tages veranlasste ihn dieses Lob sogar dazu einem Schäferhund an den Hals zu springen. Vorher war er auf mein Verlangen zu mir gekommen, was ich direkt mit diesem 'Feiiiiiiin' lobte. Gleichzeitig wollte ich dieses Lob mit einer Streicheleinheit unterstützen. Doch ich griff ins Leere.....
Das wird wohl nie was. Mache das Theater nun schon über 8 Jahre mit. Auch auf ein lieblich gesäuseltes Ersatzwort reagiert er nicht mit Stolz wie andere Hunde. Vergiss es!
Tadel kann er wohl nur deuten, wenn dieser mit Handgreiflichkeit einhergeht. - Nein, natürlich nicht schlagen. Das bringt definitiv nichts! ! !
Unsere Erfolge beruhen wohl allein darauf, daß mich Baby inzwischen doch etwas ernst nimmt und meist bemüht ist nicht bei mir in Ungnade zu fallen.
('Den kleinen Ausrutscher wird sie mir verzeihen.' - 'Ne, das lasse ich lieber. Sonst rastet sie aus.')
Er weiß genau welches Verhalten ihm keinen Ärger einbringt und welches mich auf die Palme und an seinen Kragen hetzt. Danach richtet er sich nahezu zuverlässig.
Spätestens wenn er bemerkt, daß ich mich kurz vor der großen Wut befinde. Dann kommt er mit eingezogenem Genick daher. Dafür erntet er ein geradezu dankbares Lächeln.
Doch ich lerne immer noch. Wir haben Februar 2008. Die Sonne scheint nachmittags recht warm. Also das beste Wetter für Arbeiten im Freien und ein schönes Grillfeuer.
Baby stöberte, ich schnitt an meinen Bäumen herum. Als ich dann zur etwas entfernten Grillstelle wollte sollte Baby natürlich mit. Ich rief, 1x, 2x, 3x, lief dabei weiter - nichts. Er sah mich nur gelangweilt an. Dann war ich endlich so schlau:
'Baby komm, Würtle braten!'
Sofort war er auf den Pfoten und folgte mir mit großer Begeisterung.
Wie man sieht: Ein einfaches 'Komm!' reicht ihm nicht. Ist immer das gleiche Elend. Ich muß dieses 'Komm!' begründen.
Man soll nur 1x rufen, richtig?
- Ich hatte aber keine Lust 8 Jahre lang jeden Tag wieder 20 Mal hinter dem Bengel her zu rennen. Hab das oft genug gemacht, mich beinahe zu Tode gehetzt. Hat nichts gebracht. Also wozu dann noch?
Ach doch, Moment, es hat was gebracht als er jagen wollte und er kurz vor Frauchens Totalerschöpfung meinte ich könnte ihm noch den Weg abschneiden und Bürschle am Kragen dort heraus zerren. In dem Moment bringt die Hetzerei etwas. Doch bei der nächsten Gelegenheit ist er wieder ebenso taub wie am ersten Tag im Oktober 1999.
Ist wohl doch so wie unsere damalige Tierärztin breit lächelnd und auf Hochschwäbisch erklärte: "Wenn bei dem das 'Rädle rausschnappt' hört der nichts mehr."
Leicht zu motivieren? - Hier die Wahrheit --->
Baby läßt sich super motivieren wenn ihm der Sinn danach steht. Das ist beinahe bei jedem 'neuen Menschen' so.
Das heißt: Einem Fremden auf der Straße erfüllt er jeden Wunsch, befolgt artig jedes Kommando. Ob er es kennt oder nicht. Irgendwie kann er es.
So, alles gut gelaufen, wir haben 5 Minuten später:
Baby hat sich bei dieser Person genug eingeschmeichelt, genug Streicheleinheiten geerntet. Er geht seiner Wege und ist stocktaub.
Eimal passiert mit einer netten jungen Frau. Mein Hund jubelte, wollte zu ihr und sie begrüßen. Ich hielt ihn zurück. Doch sie war von diesem freundlichen Hund begeistert und wollte ihn streicheln. Super! Babys Wunsch wurde erfüllt. Die beiden schmusten übertrieben, war alles klasse. Doch ganz plötzlich hatte Baby genug. Er drehte sich von ihr weg. Sie versuchte ihn zu locken - nichts. Er zeigte nur sein Hinterteil und ließ sich absolut nicht überreden 'seinen Fan' auch nur eines einzigen weiteren Blickes zu würdigen.
WAS FÜR EIN FEGER!
Übrigens: Fremde sollten nicht versuchen ihn fest zu halten oder gar auf den Arm zu nehmen. Da hört die Freundschaft auf. Das darf nur Frauchen!
(Wobei er auch bei mir meist knurrt wenn ich ihn hoch nehme. Doch mir passiert nichts. Ein anderer sollte es mal besser lassen. Ich übernehme keine Garantie.)
Baby sieht einen nicht an. Man kann sich jede Mühe sparen. Das wird nichts.
Als er erst 1 Jahr jung war packte mich irgendwann mal die Wut. Ich riss mich zusammen, ging zu ihm, hielt sanft seinen hübschen Kopf zwischen meinen Händen und sah ihn von ca. 5 cm Entfernung ins Gesicht. So meinte ich erreichen zu können, daß er mich doch wenigstens auch mal ansieht. -> Fehlanzeige. Er sah stur durch mich hindurch.
Nein, es ist nicht immer so. Eben nur wenn man etwas von ihm will.
Unterwegs haben wir inzwischen öfter Blickkontakt. (Hat ja auch lange genug gedauert!)
Auch hat Baby gewiß kein Problem damit. Ganz im Gegenteil! Wenn er es für notwendig hält sieht er einem direkt in die Augen. Auch so lange, daß man selbst schon hilflos blinzelt.. - Er nicht.
Was bin ich froh, daß dieser Hund nicht größer ist! - Als ich 2007 auf der Leiter stand, um Kirschen zu ernten, saß er daneben und bewachte mich.
Mal ein kleiner Wink auch an Züchter: Laßt den Hund wie er ist. Vor allem eben was die Größe angeht! Nimmt ihm aber auch nicht seine Eigensinnigkeit. Wenn man sich daran gewöhnt hat würde man sich mit jedem blind gehorchenden Hund nur langweilen.