Charakter und Eigenschaften der Rasse
Der West Highland White Terrier – ein Hund mit zwei Gesichtern?
Ein West Highland White Terrier von typischem Wesen ist ein Hund mit zwei Gesichtern:
Dieser außerordentlich charmante und fröhliche Terrrier, der mit seinem Chrysanthemenkopf dem Kindchenschema der Gestaltpsychologie so sehr entspricht, ist gleichzeitig ein unerschrockener, aktiver, vor Robustheit strotzender Hund, den man zum Selbstbewusstsein nicht erst ermuntern muß; er ist im häuslichen Kreis ein ausdauernder, gelehriger und liebenswürdiger Begleiter, der indessen nichts unversucht lässt, mit Charme, Raffinesse und Beharrlichkeit seinen Kopf durchzusetzen; er ist ein friedlicher, selbstbewusster Meutehund und ein idealer Spielgefährte für Kinder, der sich unkompliziert den jeweiligen Gegebenheiten anpasst, und dennoch ein Hund, dem man seine Schärfe auf Raubzeug ansieht, der seinen ungebrochenen Jagdinstinkt immer wieder unter Beweis stellt und dessen mächtige Zähne größere Vierbeiner wie ungebetene Zweibeiner zu fürchten haben, ein Hund überdies, dessen durchdringender Blick Wachsamkeit und Intelligenz nicht nur vortäuscht.
Damit verkörpert der West Highland White Terrier in typischer Weise sowohl die schottische Devise `Nemo me impune lacessit` (Niemand fordert mich ungestraft heraus), als auch den balladenbesungenen zwiespältigen Nationalcharakter der Schotten, in dem sich, wie Allan Massie es ausdrückt, Nüchternheit und Funktionalität mit Romantik und Sehnsucht nach Vergangenem paaren.
Der Facettenreichtum seines Charakters, die ebenso beeindruckenden wie widersprüchlich erscheinenden Eigenschaften des Weißen Hochländers werden indessen erklärlich, wenn man einen Blick auf die ursprünglichen Lebensumstände des Hundes wirft.
Als ausgewiesene Kenner der schottischen Terrier insgesamt haben John T. Marvin und Wiebke Steen mit Recht darauf hingewiesen, dass der Verwendungszweck des WHWT ebenso wie die Landschaft, in der er und seine typischen Beutetiere leben, zahlreiche Verhaltensmerkmale und damit auch das Wesen dieser Rasse nachhaltig prägen mussten.
Im rauhen Klima der schottischen Highlands mit ihren Hochmooren und dornengestrüppbestandenen Heideflächen, auf denen der Wind jeden Baumwuchs verhindert, in einer Landschaft, die durch vielfältige Wasserläufe und Felshöhlen, durch Lochs (Fjorde und Seen), Glens (Täler), Bens (Berge) und Cairns (Stein- und Geröllhaufen) gekennzeichnet ist, mussten die West Highland White Terrier sich bei der Jagd auf Fuchs, Dachs und Fischotter bewähren, auf den Gehöften der Farmer wurden sie zur Vernichtung von Ratten und sonstigen Nagern gehalten.
Wegen der verbreiteten Vorurteile gegenüber weißen Arbeitsterriern lag es nahe, dass gerade weiße Hunde, was Raubzeugschärfe und Wesensfestigkeit anbetraf, einer besonders strengen, nach heutigen Maßstäben wohl brutal zu nennenden Auslese unterzogen wurden: Weiße Hochländer, die nicht innerhalb einer bestimmten Zeit aus eigenem Antrieb eine bestimmte Zahl durchaus wehrhafter Nager vernichteten, wurden selbst eliminiert, so dass nur mit Hunden gezüchtet werden konnte, denen große Raubzeugschärfe und ein ausgeprägter Jagdtrieb eigen waren.
Die Auslese auf diese Merkmale hin hat bis heute ihre Spuren hinterlassen. Da der West Highland White Terrier meistens in der Meute zum Jagdeinsatz kam, waren andererseits nur Hunde brauchbar, die sich gegenüber den anderen Meutehunden tolerant und freundlich verhielten; ein Westie durfte und darf also kein Raufer sein. Der strengen Beachtung dieses Kriteriums haben wir es zu danken, dass es bis heute bei dieser Rasse problemlos möglich ist, eine größere Zahl von Hunden jeden Alters im Auslauf gemeinsam toben zu lassen, ohne die Harmonie der Meute durch Beißereien getrübt zu sehen. Im übrigen waren und sind Weiße Hochländer auch keine Kläffer, denn sie gehören als Terrier nicht zu den ‚lautjagenden Rassen’, sondern zu den ‚stillen Fährtensuchern’, die erst dann Laut geben, wenn sie die Beute gestellt haben. Außerdem sind die erprobten Otterjäger in der Regel auch heute noch begeisterte Schwimmer. Zähigkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit waren gefordert beim Verfolgen des Fuchses; Mut und Intelligenz, Selbstbewusstsein und Unerschrockenheit waren zu beweisen, wenn es galt, Fuchs oder Dachs im Bau zu stellen und zu bekämpfen. Gegen solche Gegner hatten nur die Terrier eine Chance zu bestehen, die auch wesensmäßig zu den besten zählten. Allerdings ist auch überliefert, dass bei der Fuchsjagd gelegentlich die verwegensten und eifrigsten Westies verloren gingen, weil diese sich ihren Weg auch in unzugängliche Felsspalten erzwangen, aus denen sie weder entkommen noch befreit werden konnten. Captain Mackie charakterisierte diese schneidigen Jagdterrier nicht ohne Grund mit der Bemerkung:
`Kein Wasser war ihnen jemals zu kalt, kein Erdloch (Bau) jemals zu tief.` Nicht selten wurden noch im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts West Highland White Terrier ausgestellt, deren Äußeres deutliche Spuren ihrer Jagdeinsätze zeigte.
Aus meinem Lieblingsbuch abgetippt.
Hier also meine Empfehlung:
Wilfried Peper 'West Highland White Terrier'
ISBN 3-490-35612-8
Verlag Paul Parey
Bemerkung:
Speziell zum Thema 'kleine Jagdterrier' las ich vor kurzem, daß hier schon wahre Selbstmörder gezüchtet wurden. Paßt genau zu dem was ich dachte und ein Bekannter bereits des öfteren ausgesprochen hatte: 'Dein Hund bittet mal wieder um Sterbehilfe.'
Es ist nicht lustig. Man erfreut sich mit der Zeit doch eher an den heutigen Schönheitszuchten. Obwohl hier oftmals die Gesundheit der Rasse auf der Strecke bleibt, was auch nicht unbedingt besser ist.
Ein großes Glück, daß die Menschheit bei allem Übel keine Hunde züchtet, die ihre netten Beisserchen gegen den Menschen selbst richten. Doch der Hund soll ja dem Menschen dienen und das macht er bekanntlich sehr gut.
Sogar bei Baby, der gewiß nicht zimperlich ist, stelle ich auch in ernsten Situationen fest, daß er dem Menschen gegenüber eine enorme Beisshemmung hat. Bei Tieren würde er niemals so geduldig warnen oder gar den Rückzug antreten.
Als verkorkster Einjähriger, wie man der Tierarztgeschichte entnehmen kann, zeigte er sich durchaus wehrhaft wenn er meinte es ginge ihm an den Kragen.
Wer würde sich da nicht wehren? - Ja, ich weiß, viele andere Hunde, oft beeindruckend große. Wie kann das sein? Jeden Tag wieder hört man vom Elend, daß Hunde wer weiß wie grausam gequält werden? Mal davon abgesehen, daß ich die Sache ansich nicht nachvollziehen kann. Weshalb wehren sich diese Hunde nicht???
Von Baby bekam ich in den ersten Wochen mehrmals eine eingeschenkt. Doch bei all dem Theater, das er vollführte, biss er nicht ernsthaft zu. Die durchaus beeindruckende Show sollte mich abschrecken. Da er jedoch nicht sehr groß ist.....
Hätte ihn nicht weiter bedrängen sollen.
Es hat schwer geziept, jedoch nie geblutet. Das hätte er sicher besser gekonnt.
Ein guter Hund!